Hannah Benz und Naumia Dietenhofer

FreiwilligenarbeiterinnenWir, Hannah (21) und Naumia (22) studieren im vierten Semester angewandte Kindheitswissenschaften in Stendal. In unserem Studium sind drei Praktika zu absolvieren, eines davon im Ausland. Wir wollten bei dieser Gelegenheit gerne mal eine neue Perspektive einnehmen und eine ganz andere Kultur kennen lernen. Interessiert haben uns vor allem arabische und afrikanische Länder, da das Verständnis dieser Kulturen auch hier in der Praxis immer mehr Bedeutung gewinnen. Allerdings sprechen wir beide kein arabisch, weshalb sich Afrika eher anbot. Dort entschieden wir uns recht schnell für Ghana, weil es als ein recht sicheres Land gilt, Englisch die offizielle Sprache ist und Fetta (Maximilian Neumayer) uns anbot, über seine Organisation Moja kwa Moja – Sei selbst das Projekt e.V. dorthin zu fahren. Er  vermittelte uns unsere Gastfamilie und die Schule und half uns dann auch mit dem Visum und allem, was wir sonst so brauchten.

Am 19.02.16 ging’s dann nachmittags von Berlin aus los. Mit dem Flug hat alles gut geklappt und wir kamen wie geplant gegen fünf Uhr morgens in Accra am Flughafen an. Wo wir nach einiger Zeit warten, mit vielen Taxi und Hilfsangeboten von unserer Gastmutter Ruth abgeholt wurden. trotz der frühen Stunde, kam uns schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug die warme schwüle Luft vor, als würden wir eine Sauna betreten. Mit unser Gastmutter Ruth und ihren beiden Töchtern Vanessa und Manuella haben wir im Hinterhaus einer älteren Frau (die Brainfinished genannt wird, da sie manchmal etwas sonderbar ist) gewohnt. Ein Zimmer für uns, und eins für Ruth und ihre Töchter, jeweils mit Matratzen ausgestattet, außerdem gab es eine einfache Küche mit einer Feuerstelle und ein Bad mit Klo und Dusche. Morgens und abends hat Ruth oder manchmal auch Vanessa für uns gekocht, wobei sie sich große Mühe gegeben haben, dass es für uns Europäer auch gut verdaulich ist, und haben uns schön langsam an das Essen dort gewöhnt. Am Anfang gab es oft Nudeln, Brot und viel Ei, gegen Ende wurde das Essen immer schärfer und es gab viel Reis und Fisch. Auch sonst waren alle sehr nett und hilfsbereit zu uns, Ruth hat sogar teilweise für uns gewaschen.

In die Schule fuhren wir mit dem Bus, den sogenannten tro-tros. Ruth kam das erste Mal mit, um uns zu zeigen, wo wir lang gehen sollten, wie man die tro-tros anhält, welchen wir nehmen müssen, wie viel es kostet und wo wir umsteigen müssen.

In der Schule wurden wir von den Kindern sehr freudig und überschwänglich begrüßt. James, der Schulleiter fragte uns, was wir gerne machen würden und teilte uns dann der Klasse von Madame Julie zu, mit ca. 40-50 Schüler_innen zwischen vier und sieben Jahren. Dort sollten wir die Lehrerin während des Unterrichts unterstützen. Um Ruhe zu halten waren wir aber nicht so gut geeignet, da die Kinder recht schnell begriffen, dass wir den Rohrstock, der dort gebräuchlich ist, nicht benutzen, und deshalb weniger folgsam waren. Wir stellten allerdings fest, dass es in der Klasse sehr große Unterschiede gab, was das Können der Schüler anbelangt. So gab es einige die schon ohne Probleme ganze Sätze von der Tafel abschreiben konnten, aber andere, die kaum in der Lage waren, einen einzelnen Buchstaben richtig nach zu malen. Dieser Schüler nahmen wir uns dann an, und übten mit ihnen separat lesen und schreiben. da sie in der Klasse nicht in der Lage waren, dem Unterricht zu folgen.

ProjektAls Projekt entschieden wir uns dann auch, mit den Kindern gemeinsam Alphabetkarten zu gestalten, da viele Schüler_innen noch große Schwierigkeiten beim Schreiben und vor allem Lesen der Buchstaben haben, so dass sie nun etwas haben, wo sie nachschauen können. Auf je ein DinA4 Blatt wurde ein Buchstabe in großer und kleiner Form geschrieben, zusammen mit einer Zeichnung und einem Wort, das mit dem selbigen beginnt. Wir haben die Buchstaben und Bilder vorgezeichnet und die Kinder haben sie ausgemalt. An dem Tag waren nur zwölf Kinder da, da es geregnet hat, was für unser Vorhaben ganz gut gepasst hat, so gab es genug Platz und für jeden,  etwas zu malen. Am Ende haben wir die Blätter laminieren lassen und im Klassenzimmer aufgehängt.

In unserer Freizeit waren wir gerne am Strand (ca. 15min mit dem Taxi), zudem uns meist Larry, ein Bekannter aus der Nachbarschaft, begleitet hat. Abends sind wir ein paar Mal mit Dennis (ein alter Freund von Fetta) und seinen Freunden weggegangen. Wir waren auch auf ein paar Märkten, die sehr bunt und voll waren, um nach Stoffen (aus denen wir uns dann auch günstig Kleider haben nähen lassen) oder am Ende auch Essen und Andenken für zu Hause einzukaufen. Auf dem Künstlermarkt in Accra hat uns David (auch ein Freund von Fetta) herumgeführt.  Es gab so viele schöne Sachen dort, dass wir am liebsten einen ganzen Laster voll gekauft hätten.

Insgesamt hat uns die Reise und das Praktikum gut gefallen, wir haben jedem Mnge neue Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Einige Sachen waren etwas gewöhnungsbedürftig, wie zum Beispiel dass man die Zeit etwas anders wahrnimmt. Wenn jemand sagt, er kommt gleich, kann das leicht mal fünf Stunden dauern. Auch sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass man als Weiße sehr auffällt und alle sofort davon ausgehen dass du viel Geld hast. Die meisten sind sehr nett und wollen mit einem befreundet sein, aber bei den Preisen muss man etwas aufpassen, dass sie einen nicht beschießen. Ich würde die Reise auf jeden Fall wieder machen und kann es allen nur empfehlen, da man einfach so viele tolle neue Erfahrungen machen kann.

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